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EUROPEAN ART COMPANY

ROLAND HÖLDERLE

Hohlraum und Fragment

“Hohlraum und Fragment”

Winterende

“Winterende”

Fast ehrfürchtig, so könnte man es beschreiben, erwarte ich die zigtausendfachen Möglichkeiten auf einer meist weißen Holzplatte, die sich mir zeigen, oft nur ganz kurz, aber eindeutig. Es erfordert große Konzentration, solche " schnellen " Eingebungen (Visionen) zu erfassen, umzusetzen und darauf aufzubauen. Es gibt Zeitpunkte, in denen ein " Bild " seine in sich absolute Richtigkeit hat, ausbalanciert ist. Dieser Zustand scheint kaum beeinflussbar, es passiert im Arbeitsprozess : man sollte dann wach sein. Nichts wirkt wie beabsichtigt, Ideen treten zurück hinter den " Offenbarungen" ,die mir im Schaffensprozess "begegnen". Die wahre, ungeschminkte Wirklichkeit einer Fläche, eines Materials, eines Farbauftrags findet sich nur in der "Zerstörung der Demontierung derselben. Die Seele der Dinge ist unter der Politur, dem Geschliffenen, dem Abgedeckten, dem Lackierten, dem Übertünchten zu finden. So wie man z. B. ein Rot mit dem anderen vergleichen kann, ist es dagegen unmöglich, aufgebrochene und "zerstörte" Stofflichkeiten und Strukturen miteinander zu vergleichen, weil sie für sich alleine stehen, absolut sind.
Anlehnend an obigen Kontext ist der Schwerpunkt eines Bildaufbaues nicht die Verwirklichung einer konkreten Vorstellung, Möglichkeit oder Idee, sondern die der im Arbeitsprozess aufgezeigten Wege, Hinweise, Fingerzeige, die sich in fortlaufenden Momenten auftun, die sich anbieten und zu erkennen geben. 

Sich für einen dieser Momente zu entscheiden um darauf aufzubauen, das ist die eigentliche Schwierigkeit der ungegenständlichen, informellen Malerei. Um dieser Möglichkeit, nämlich dem nicht gewollten, dem nur aus dem Schaffensprozess erfahrbar gewordenen, möglichst breiten Raum zu geben, verwende ich keine in sich fertigen, glatten Materialien, sondern Stofflichkeiten und Strukturen, die ihrem ursprünglichen Zweck längst nicht mehr dienen, sich durch Verbrauch, Verwitterung, oder Alterung ect. wieder ihrem Urzustand annähern.
Die Möglichkeiten, Materialien unterschiedlicher Art in einem Bild zu kombinieren, sind unendlich. Die Art der Anbringung, die Beschaffenheit des Untergrundes, die Bearbeitung von Oberflächen durch Ritzen, Schaben, Färben, Decken, Ablösen, usw. eröffnen weitere unzählige Ansatzpunkte. Auch die Einarbeitung von Sand, Sägemehl, Gips, Lehm, Erde, Papier, Leinen, Farbreste, Kaffee, Asche etc., tragen dazu bei, dass die Ergebnisse nicht vorhersehbar sind. Die Hauptbestandteile ,durch die ein Bild aufgebaut wird, sind jedoch Dispersionsfarbe, Sägemehl, Lehm, Bitumen und Acrylfarbe. Alle anderen `Zutaten ` werden nach `passendem `Gusto` hineingearbeitet. Farben an sich werden eher spärlich verwendet. Auch wird durch das Übermalen von Bildern, Bilder mit denen ich in letzter Konsequenz dann doch nicht einverstanden war, willkommene Effekte erzielt, da sich die Struktur des darunter befindlichen Bildes positiv auf das `Neue `auswirkt. Für manche ein Frevel, aber eine praktische Variante für mich. Somit ist es wohl stimmig zu sagen, dass ein Bild unter diesen Gesichtspunkten im Arbeitsprozess entsteht und demzufolge erst sekundär "gemacht" wird. Es ist in der Tat so, dass mich die zu Anfang leere Fläche regelrecht hämisch angrinst, bedingt durch die, wie eingangs schon erwähnt, unzähligen Möglichkeiten eines Bildaufbaues.
Letztendlich : " Leichter ist es, etwas zu schaffen, als
sich darüber auszulassen".

WERK